Machen Uber Mietfahrräder Berlin zur Smart City?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Nein, sie machen Berlin nicht zur Smart City.
 
Warum ist das so?
 
Das Ziel dieses Blogartikels ist es, unsere Perspektive zur Smart City zu erklären und darauf aufbauend zu untersuchen, wie die Uber „Jump“ Fahrräder in dieses Konzept der Smart City einzuordnen sind.
 

Rote, elektrische Mietfahrräder

Berlin wächst. Bis zum Jahr 2035 wird ein Bevölkerungswachstum um fast 11 Prozent erwartet.
Einhergehend mit diesem Wachstums erfordert es Anpassungen und Verbesserungen der Verkehrsinfrastruktur, um mit diesen Herausforderungen nachhaltig umgehen zu können. Diese Anforderungen werden unter dem Begriff „Verkehrswende“ gesammelt. Die Verkehrswende ist nicht nur wichtig für den Umweltschutz, sondern auch für die Bevölkerung. Neben den öffentlichen Verkehrsmitteln umfasst das Thema auch Konzepte der „ersten und letzten Meile“. Zudem setzen sich viele dieser Projekte der Verkehrswende mit Fahrrädern und verbesserten Voraussetzungen für Fahrradfahrer auseinander. Gleichzeitig werden Konzepte für alternative Mobilität immer beliebter. Besonders ein Markt für Mietfahrräder und andere Sharing-Services für Elektro-Roller oder E-Scooter ist entstanden.
 
In Berlin hat man bereits eine farbliche Vielzahl an Mietfahrrädern gesehen: Die gelben Fahrräder sind mittlerweile schon wieder verschwunden, es gibt orangefarbene Mietfahrräder, und auch Blaue und Grüne. Im Mai 2019 kam dann noch eine weitere Farbe dazu: Die grellroten „Jump“ Fahrräder von Uber können jetzt in Berlin gemietet werden.
 
Das Besondere an diesen Jump-Fahrrädern ist, dass sie elektrisch sind und bis zu 25 km/h fahren. Sie können mit der Uber-App gemietet werden, der User muss nur im Menü zu „Fahrrad“ wechseln. In anderen europäischen Städten wie Madrid oder Paris können Nutzer auch schon E-Scooter über die Uber-App mieten. Die Jump-Fahrräder sind sogenannte E-Bikes mit Tretunterstützung, das heißt, je stärker man in die Pedale tritt, desto schneller werden sie. Die Preise sind von der jeweiligen Stadt abhängig. In Berlin wird eine Reservierungsgebühr von 1€ erhoben, zusätzlich kostet die Fahrt 0,10€ pro Minute. Der Servicebereich der Jump-Fahrräder ist begrenzt; in Berlin zieht sich die Grenze des Nutzungsbereichs etwa entlang des S-Bahn-Rings.
 
Jetzt, wo wir auf demselben Stand sind, lasst uns darüber reden, weshalb diese Jump-Fahrräder Berlin nicht zur Smart City machen:
 

Smart wie…

 
Um zu erfassen, in welchem Ausmaß die Jump-Fahrräder von Uber als Lösung für eine Smart City gelten, wollen wir drei Dimensionen betrachten: Die erste Dimension bezieht sich auf das tatsächliche Problem, das die roten Mietfahrräder augenscheinlich für die Stadt und ihre Bewohner lösen. Die zweite Dimension beschreibt die Inklusion als sozialen Aspekt (für wen ist das Angebot gedacht?) und die dritte Dimension betrachtet das finanzielle Konzept der Jump-Fahrräder.
 
Die Problem-Dimension: Die letzte Meile
 
Für die erste Dimension betrachten wir das Problem, das der Mobilitätsservice lösen will: Die letzte Meile. In urbanen Gegenden ist die sogenannte „letzte Meile“ ein spezielles Problem für Lieferservices und Einwohner. Letztere sehen sich damit vor allem konfrontiert, wenn sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen und nicht in der Nähe einer Haltestelle wohnen. In diesem Fall müssen sie die letzte Meile mit alternativen Mobilitätslösungen zurücklegen. Besonders Menschen, die im weiteren Umkreis der Stadt wohnen, haben das Last-Mile-Problem, da die Anbindung zu öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer gewährleistet ist. Dementsprechend können Jump-Fahrräder nicht als Last-Mile-Lösung angesehen werden, da die Fahrräder nicht nur separat gebucht werden müssen, sondern auch nur in einem bestimmten Radius verfügbar sind.
 
Die soziale Dimension: Inklusion
 
Für die zweite, soziale Dimension berücksichtigen wir die Einwohner und was Sharing-Services für sie bedeuten. Eine Smart City kann als inklusiver Ansatz verstanden werden. Das bedeutet, dass alle Einwohner in das Konzept involviert sind, unabhängig davon, wieviel sie verdienen oder wo in der Stadt sie leben. Wie oben schon erwähnt, sind Jump-Fahrräder (und die meisten anderen Mietfahrräder und andere Sharing-Services) nur in einem begrenzten Teil der Stadt verfügbar, innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings.
 
Ebenfalls entscheidend beim Thema Inklusion ist die Nutzungsgebühr: Wie bereits erwähnt, zahlen Nutzer nicht nur für die Fahrt, sondern zusätzlich eine Gebühr für die Fahrtzeit. Noch klarer wird das anhand eines Beispiels: Ein Nutzer, der eine 10-Minuten-Fahrt von der Haltestelle entfernt wohnt, zahlt 2€ für jede Fahrradfahrt. Das wären 4€ pro Tag für die erste und letzte Meile. Zusammen mit der Jahreskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel (um die 63€ pro Monat, Stand Juli 2019), sind das 140€ pro Monat. Es ist anzunehmen, dass sich die meisten Einwohner Berlins nicht leisten können, beide Services regelmäßig zu nutzen.
 
Finanzielles Konzept
 
Die Sharing-Services werden durch die Nutzungsgebühr finanziert. Weder profitieren noch investieren die Stadt und ihre Verwaltung in dieses Geschäft. Auf der anderen Seite haben sie bisher wenig Mitspracherecht, wenn es um die Aspekte der letzten Meile oder Inklusion geht. Und das ist die andere Seite der Medaille: Die Stadt Berlin ist bisher kaum in der Lage über Fragen und Themen der Jump-Fahrräde oder anderer neuen Mobilitäts-Anbieter zu entscheiden.
 
Die Politik mag in der Lage sein, Mietfahrräder, E-Scooter und neue Mobilitäts-Angebote zu erlauben, aber sie hat keine Entscheidungsgewalt über deren Leistungen. Eine Ausnahme ist der Anbieter „Next Bike“: Der Berliner Senat investiert 7,5 Millionen Euro über fünf Jahre in die Netzwerk-Ausweitung. Next Bike hat fest installierte Fahrradstationen, an denen Nutzer die Fahrräder mieten und parken können. Die meisten dieser Stationen sind an Bahnstationen installiert.
 

Ausblick: Immer noch auf dem Weg in Richtung Smart City

 
Alles in allem sind die Jump-Fahrräder, genauso wie jeder andere Mobilitätsanbieter in Berlin, ein neuer Service innerhalb des S-Bahn-Rings. Nach der Analyse aller drei Dimensionen zeigt sich, dass diese Angebote Berlin nicht zur Smart City machen. In einzelnen Fällen mögen die Jump-Fahrräder individuelle Probleme lösen, haben aber insgesamt keinen Effekt auf das Gesamtbild. Mit den Jump-Fahrrädern liefert Uber keine Lösungen für die gesamte Stadt und ihre Einwohner.
 
Dementsprechend ist es nicht möglich, dass eine neue Technologie eine Stadt zur Smart City macht: Ein Smart City Konzept basiert auf neuen Verbindungen, Zusammenarbeit und Geschäftsmodellen.
 
Ein Smart City Ansatz, der sich auf Problemlösung fokussiert, sollte immer die jeweiligen Probleme im Hinterkopf behalten. Dementsprechend braucht es gemeinsame Lösungen (z.B. gemeinschaftlich erarbeitete Lösungen zwischen einzelnen Anbietern und Bezahlmodellen), die verschiedene Services verbinden, um eine erfolgreiche Verkehrswende für Berlin und seine Einwohner zu erreichen.

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Photo Tom Kramer

Tom Kramer

Digital Evangelist

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